Strategie und Zukunft von smart - Wie wird der neue smart aussehen?

Im Jahr 2020 hat smart sich, als weltweit erster konventionelle Hersteller, zum rein elektrischen Hersteller umgebaut. Den Diesel hatte die Marke schon Ende 2014 aus dem Programm gestrichen und Ende 2019 nun auch den Benziner. Damit ist smart gleichauf mit Tesla und liefert nun ausschließlich elektrische Modelle aus.

Wie wir Fans aber schon festgestellt haben, kommt jetzt dennoch erstmal eine Zeit, in der es darum geht durch zu halten. Der Umstieg kostet alle sehr viel Energie und verlangt Ausdauer, der sofortige Erfolg bleibt aus. Das Joint Venture mit Geely soll das aber schon bald ändern.


Tesla hatte viele Jahre gebraucht, bis sie von Erfolg sprechen konnten. Bei smart soll es etwas schneller gehen, dennoch ist es nun wichtig, dass die Community zusammen hält und die Marke unterstützt:

Als erstes soll ein neues Model kommen, die Medien sprechen von einem SUV, betonen aber weiterhin die Absichten, im B-Segment zu bleiben. Was das bedeutet und warum es kein richtiger SUV wird, darauf möchte ich in diesem Artikel eingehen.


Themen in diesem Artikel:

  • Wer genau ist eigentlich Geely?
  • Was ist ein Joint Venture?
  • Warum ein Joint Venture mit Geely?
  • Was kommt von Daimler, was von Geely?
  • SUV im B-Segment. Ist das nicht ein Widerspruch in sich?
  • Warum muss denn das unbedingt alles elektrisch sein, nichtmal Hybrid oder Wasserstoff?
  • Wie wird der nächste smart aussehen, was wird er können?
  • Was ist mit dem fortwo?



Wer genau ist eigentlich Geely?


Geely wurde 1986 in China gegründet und war damals noch Hersteller von Kühlschränken, 1992 begann man außerdem Motorräder herzustellen. Mit steigendem Wohlstand in China stiegen auch die Ansprüche der Kunden und so verließ 1998 das erste Automobil die Firma. Im gleichen Jahr, in dem der ersten smart fortwo an Privatkunden ausgeliefert wurde. Geely hatte die Fahrzeugtechnik vom japanischen Hersteller Daihatsu, smart bekannter maßen von Mercedes.


Während smart sich darauf konzentrierte Kleinstwagen zu bauen, konzentrierte Geely sich darauf, ein immer weiteres Portfolio zu haben und wuchs so zu einem großen Hersteller heran. 2009/10 konnten sie dann auch Volvo von Ford abkaufen. 2017 übernahm Geely 51% der Firmenanteile an Lotus und wurde außerdem größter Anteilseigner bei Volvo Trucks. Des weiteren ist Geely, seit 2018, größter Einzelaktionär bei Daimler.


Strategie und Zukunft von smart - Wie wird der neue smart aussehen?


Der erste und nach wie vor einzige Kleinstwagen von Geely ist das "tobe M'car", auch bekannt als Geely Panda. Der Kleistwagen wurde von 2006 bis 2017 gebaut und war sogar mit einem Elektromotor verfügbar. Mit einer Länge von 3,6 Meter war er allerdings immer noch recht groß.



Was ist ein Joint Venture?


Um das ganz am Anfang zu sagen: Daimler hat smart nicht an Geely verkauft. Smart gehört nach wie vor zu Daimler.


Strategie und Zukunft von smart - Wie wird der neue smart aussehen?


Der Begriff kommt aus dem englischen und steht für "gemeinsames Wagnis". Mit dem Begriff Joint Venture legt man ausschließlich fest, dass zwei oder mehr Partner zusammen arbeiten. Mit welchem Ziel und mit welcher Beteiligung ist erstmal ungeklärt.


Daimler und Geely halten jeweils 50 % an der gemeinsamen Marke. Das bedeutet, dass keiner etwas alleine entscheiden kann, da keiner eine Mehrheit hat.


Was ich auch nochmal festhalten möchte:

Daimler hat smart nicht aufgegeben. Würde Daimler mit smart nichts mehr zu tun haben wollen, hätten Daimler am Stück verkauft. So wie es Ford mit Volvo getan hatte.

Die Umweltbilanz der Marke ist übrigens nichtmehr das große Argument. 2021 läuft Daimler's Elektroautooffensive an. EQS, EQE, EQA und EQB, alle sind bereits in Erprobung und was ich persönlich bereits auf den Straßen und an den Ladestationen gesehen habe, ist überraschend vielversprechend. Sowohl in Sache Akkukapazität, als auch Ladeleistung und -kurve. Kein Vergleich zu EQC und EQV. Die nötigen Elektroverkaufszahlen kann Mercedes bis Ende 2021 vermutlich ohne smart erreichen.

Nach wie vor gibt es bei Daimler mehr als genug Leute, welche für den smart brennen und alles geben um diesen zu erhalten. Bis hoch in die Führungsetagen.



Was kommt von Daimler, was von Geely?


smart vision EQ fortwo


Laut aktuellen Veröffentlichungen wird es wie folgt sein:

Geely ist für die gesamte Technik zuständig, das bedeutet, von Geely wird der gesamte Antriebsstrang (Akku, Motor, Ladetechnik, ..) kommen. Außerdem das komplette Infotainmentsystem und die Fahrzeugplatform, auf der alles basiert. (SEA)

Dem gegenüber steht Daimler. Deren Zuständigkeitsbereich ist alles, was der Kunde direkt sieht und anfasst. Auf diese Weise wird sicher gestellt, dass smart nicht an Qualität einbüßen und das Design weiterhin der Marke treu bleiben wird.


Die Idee hinter all dem ist, dass der smart das Besten aus beiden Welten bekommt: Haptik / Qualität und Technik



Warum ein Joint Venture mit Geely?


Was Fiat mit dem 500er und Mini mit deren kompletten Modellpalette geschafft hatten, hat smart leider nicht geschafft: Die Kunden mit einem markanten und pfiffigen Design langanhaltend zu packen, sodass sie auch bereit sind "etwas mehr" auszugeben. Vermutlich fehlt smart dazu schlichtweg die Historie.

Den smart verkauft man (leider) nahezu ausschließlich über den Preis, dieser muss also möglichst gering sein. Das ist nur möglich, indem man möglichst hohe Stückzahlen davon produziert, sodass die Entwicklungskosten auf viele Fahrzeuge umgelegt werden können. Nur weil es ein Fahrzeug von smart ist, ist der Kunde nicht bereits "etwas mehr" zu zahlen. Zumindest nicht genug Kunden.

Aus diesem Grund begann smart 2005/06 damit, sich intern neu zu strukturieren, Kosten zu sparen und sich auf das Kerngeschäft zu fokussieren: Den smart fortwo. 2008 erschloss man außerdem Amerika um weitere potentielle Kunden mit ins Boot zu holen. Da in Amerika aber alles etwas größer ist, nicht nur die Autos, sondern auch die Strecken, hatte der smart dort von Anfang an keinen großen Erfolg. Die besten Jahre waren 2008 und 2009, wobei auch 2009 bereits rückläufige Zahlen hatte.


Die Kooperation mit Geely soll zwei Vorteile haben:

  • Die Erschließung eines wachsenden Marktes: In China bekommt man sehr hohen Einfuhrzölle aufgebrummt, wenn man nicht mit einem chinesischen Hersteller zusammen arbeitet und dort produziert.
  • Geringere Entwicklungs- und Produktionskosten: Um den Fahrzeugpreis weiter zu drücken, ist es leider unabdingbar die Produkstions- und Entwicklungskosten zu senken. Daimler hat keine moderne Fahrzeugplattform für das A- und B-Segment, Geely, mit der SEA-Platform, sehr wohl.


Das sind Maßnahmen, um die Marke am Leben zu halten. Wenn Lotus und Volvo eines aufzeigen, dann, dass Geely den Ursprung der Marken nicht kaputt machen, sondern ihn erhalten möchte. Schon auch wegen des Kundenstamms der jeweiligen Marken.



SUV im B-Segment. Ist das nicht ein Widerspruch in sich?


SUV steht für "Sports Utility Vehicles", also ein sportliches Nutzfahrzeug. Früher waren das noch klassische Geländefahrzeuge wie die G-Klasse und Range Rover. Mittlerweile sind das große Fahrzeuge, in denen man hoch sitzt, aber meist, u.a. mangels Allradantrieb, besser nicht ins Gelände fährt. Daher kommt es auch, dass der Begriff SUV heute mit großen Autos verbunden wird. Der Begriff ist heute nur noch eine Bezeichnung, mit der man nahezu jedes Auto sehr gut verkaufen kann.

Wiederum das sogenannte B-Segment beschreibt das Fahrzeugsegment, in dem der smart EQ forfour, aber auch Fahrzeuge wie der VW eUP!, der Honda E und der Twingo electric beheimatet sind. Allgemein bekannt ist das Fahrzeugsegment auch als "Kleinwagen". Nicht zu verwechseln mit dem A-Segment, dem "Kleinstwagen", zu dem der smart EQ fortwo gehört.


Ein smart SUV im B-Segment wird den Begriff "SUV" nur tragen, weil er sich so eben besser verkauft. Er wird dennoch verhältnismäßig klein sein. Beispielsweise bei der Edition Nightsky des smart EQ forfour haben wir das schon einmal gesehen. Die Anbauteile wurden als "SUV"-Optik bezeichnet.

Ähnliches macht auch Suzuki mit deren seit 2016 gebauten Ignis. Sie bezeichnen ihn als "Micro-SUV" und erschließen sich so neue Kunden: Leute, welche zwar "SUV" fahren wollen, aber nicht "SUV" einparken wollen / können.


Der 2016er Suzuki Ignis ist auch nur 3,7 Meter lang, zwar trotzdem 0,2 Meter länger als der smart forfour, zeigt aber, wie SUV im B-Segment gemeint sein könnte.


Könnte der Renault City K-ZE eine Vorhut sein..? Ab 2021 auch in Europa verfügbar, der chinesische SUV-Kleinwagen von Renault. Allerdings mit sehr ernüchternden Eckdaten:

  • 27,4 kWh (< 200 km)
  • 30 kW CCS
  • 45 PS
  • keine App
  • 5 Türen
  • 4 Sitzplätze
  • 3,7 Meter lang
  • kein zusätzlicher Kofferraum vorne
  • ca. 15.000 € Basispreis


In Europa wird er als Dacia Spring vermarktet und gebaut wird er in China.



Warum muss denn das unbedingt alles elektrisch sein, nichtmal Hybrid oder Wasserstoff?


Auch das ist eine Frage der Kosten, obwohl das erstmal komisch klingt, wenn man die Preise des Benziner- und Stromer-fortwo vergleicht: Der 2020er smartEQfortwo kostet etwa das Doppelte wie seine Verbrenner-Variante.


Das wird aber nicht so bleiben, da sich zwei Dinge entgegen kommen:

  1. Der steigende Preis eines Verbrenners.
  2. Der sinkende Preis eines Elektrofahrzeugs.

Um die aktuellen und zukünftigen Abgasnormen einhalten zu können, müssen Verbrennungsmotoren immer besser werden. Das erfordert große Entwicklungskosten, welche dann natürlich auch wieder auf die Stückzahl der Fahrzeuge umgelegt werden müssen. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass Verbrennungsmotoren für Kleinstwagen mindestens so aufwändig sind, wie Verbrennerungsmotoren für große, teure Autos. In der S-Klasse darf ein Motor aber deutlich mehr kosten, als in einem smart, der Motor aus der S-Klasse kann aber nicht übernommen und runter skaliert werden.

Dem gegenüber steht die deutlich simplere Technik aus Elektroautos. Motor und Untersetzungsgetriebe sind um ein vielfaches einfacher aufgebaut und der Akku kann wunderbar skaliert werden. Ein schönes Beispiel hierfür sind die 1. Generation EQC und EQV. Gleicher Antriebsstrang, gleicher Akku, einziger Unterschied: Der Akku im EQV hat zwei Akkumodule mehr als der EQC. (Elektroautogrundlagen: Akkupaket & BMS)


Übrigens, der smart ED4 ist bereits deutlich günstiger als der smart ED3. Auch wenn die Basispreise das nicht direkt vermuten lassen. Was gerne übersehen wird ist, dass beim smart ED4 der Akku bereits im Fahrzeugpreis inklusive ist. Es fällt keine Akkumiete mehr an.


Würde man den smart als Hybrid anbieten, würde das die Fahrzeugkosten drastisch steigern, da man dann zwei Antriebssträge hätte. Sowohl in der Entwicklung, als auch in der Herstellung. Während der elektrische smart Abmaße, Stauraum und Gewicht, wie ein Benziner hat, hätte ein Hybrid ein deutlich höherer Gewicht und die Entwicklung müsste sich entscheiden, wo sie die Prioritäten legt: Denn 120 km elektrische Reichweite und ein halbwegs vernünftiger Verbrennungsmotor ist auf dem Bauraum nicht umsetzbar.

Das gilt übrigens auch für den Wasserstoff, dieser ist schließlich auch nur ein Hybrid. Der teuerste Hybrid überhaupt, sowohl im Unterhalt als auch in der Herstellung. Und dessen Reichweite wäre dennoch bei unter 200 km, wegen des stark limitieren Bauraums.



Wie wird der nächste smart aussehen, was wird er können?


Wie sagt man so schön: Nichts Genaues weiß man nicht. (Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen)


Fest steht aktuell ausschließlich, dass es ein Fahrzeug im B-Segment sein wird, es soll reinelektrisch werden und wird auch von smart-Mitarbeitern als "SUV" bezeichnet. Basieren soll es auf der Geely's SEA-Platform. Diese ist skalierbar und soll vom fortwo, über den forfour bis hin zu großen Limousinen alles können. Naheliegend ist, dass hierzu einfach Segmente aus dem Mittelstück herausgenommen oder hinzugefügt werden. Entsprechend geht auch die Akkukapazität hoch und runter. Wie bei der 1. Generation EQC und EQV.


Was die Plattform in ihren Abmessungen für das A- und B-Segment kann, ist noch nicht bekannt. Vorgestellt wurde sie mit der Zero Concept Studie. Einer Limousine, welche 700 km schaffen und 0-100 km in unter 2 Sekunden erreichen soll. Außerdem soll sie alles können, was das Ankündigungs-Bingo zu bieten hat.


Es bleibt uns also erstmal nichts anders übrig als Mutmaßungen und Wünsche aufzustellen:

  • 30 kWh oder mehr (> 200 km)
  • 50 kW CCS (!) oder mehr
  • 3,7 kW bis 11 kW Typ 2
  • Standard: 90 PS (Heckantrieb)
  • Brabus: 125 PS (Allrad?)
  • Konnektivität, sowohl im Fahrzeug, als auch zum Fahrzeug.
  • 5 Türen
  • 4 Sitzplätze
  • maximal 3,5 Meter lang
  • zusätzlicher Kofferraum vorne
  • < 15.000 € Basispreis


Aktuell angekündigt ist der nächste smart auf 2022. Mindestens bis dahin werden der fortwo und der forfour gebaut werden, diese werden aber höchstwahrscheinlich keine nennenswerten Updates mehr erfahren.

Im Jahr 2020 hat smart sich, als weltweit erster konventionelle Hersteller, zum rein elektrischen Hersteller umgebaut. Den Diesel hatte die Marke schon Ende 2014 aus dem Programm gestrichen und Ende 2019 nun auch den Benziner. Damit ist smart gleichauf mit Tesla und liefert nun ausschließlich elektrische Modelle aus.

Wie wir Fans aber schon festgestellt haben, kommt jetzt dennoch erstmal eine Zeit, in der es darum geht durch zu halten. Der Umstieg kostet alle sehr viel Energie und verlangt Ausdauer, der sofortige Erfolg bleibt aus. Das Joint Venture mit Geely soll das aber schon bald ändern.


Tesla hatte viele Jahre gebraucht, bis sie von Erfolg sprechen konnten. Bei smart soll es etwas schneller gehen, dennoch ist es nun wichtig, dass die Community zusammen hält und die Marke unterstützt:

Als erstes soll ein neues Model kommen, die Medien sprechen von einem SUV, betonen aber weiterhin die Absichten, im B-Segment zu bleiben. Was das bedeutet und warum es kein richtiger SUV wird, darauf möchte ich in diesem Artikel eingehen.


Themen in diesem Artikel:

Wer genau ist eigentlich Geely?

Was ist ein Joint Venture?

Warum ein Joint Venture mit Geely?

Was kommt von Daimler, was von Geely?

SUV im B-Segment. Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Warum muss denn das unbedingt alles elektrisch sein, nichtmal Hybrid oder Wasserstoff?

Wie wird der nächste smart aussehen, was wird er können?

Was ist mit dem fortwo?

Abkürzung zum Fazit

Wer genau ist eigentlich Geely?

Geely wurde 1986 in China gegründet und war damals noch Hersteller von Kühlschränken, 1992 begann man außerdem Motorräder herzustellen. Mit steigendem Wohlstand in China stiegen auch die Ansprüche der Kunden und so verließ 1998 das erste Automobil die Firma. Im gleichen Jahr, in dem der ersten smart fortwo an Privatkunden ausgeliefert wurde. Geely hatte die Fahrzeugtechnik vom japanischen Hersteller Daihatsu, smart bekannter maßen von Mercedes.


Während smart sich darauf konzentrierte Kleinstwagen zu bauen, konzentrierte Geely sich darauf, ein immer weiteres Portfolio zu haben und wuchs so zu einem großen Hersteller heran. 2009/10 konnten sie dann auch Volvo von Ford abkaufen. 2017 übernahm Geely 51% der Firmenanteile an Lotus und wurde außerdem größter Anteilseigner bei Volvo Trucks. Des weiteren ist Geely, seit 2018, größter Einzelaktionär bei Daimler.


Der erste und nach wie vor einzige Kleinstwagen von Geely ist das "tobe M'car", auch bekannt als Geely Panda. Der Kleistwagen wurde von 2006 bis 2017 gebaut und war sogar mit einem Elektromotor verfügbar. Mit einer Länge von 3,6 Meter war er allerdings immer noch recht groß.

Was ist ein Joint Venture?

Um das ganz am Anfang zu sagen: Daimler hat smart nicht an Geely verkauft. Smart gehört nach wie vor zu Daimler.


Der Begriff kommt aus dem englischen und steht für "gemeinsames Wagnis". Mit dem Begriff Joint Venture legt man ausschließlich fest, dass zwei oder mehr Partner zusammen arbeiten. Mit welchem Ziel und mit welcher Beteiligung ist erstmal ungeklärt.


Daimler und Geely halten jeweils 50 % an der gemeinsamen Marke. Das bedeutet, dass keiner etwas alleine entscheiden kann, da keiner eine Mehrheit hat.


Was ich auch nochmal festhalten möchte:

Daimler hat smart nicht aufgegeben. Würde Daimler mit smart nichts mehr zu tun haben wollen, hätten Daimler am Stück verkauft. So wie es Ford mit Volvo getan hatte.

Die Umweltbilanz der Marke ist übrigens nichtmehr das große Argument. 2021 läuft Daimler's Elektroautooffensive an. EQS, EQE, EQA und EQB, alle sind bereits in Erprobung und was ich persönlich bereits auf den Straßen und an den Ladestationen gesehen habe, ist überraschend vielversprechend. Sowohl in Sache Akkukapazität, als auch Ladeleistung und -kurve. Kein Vergleich zu EQC und EQV. Die nötigen Elektroverkaufszahlen kann Mercedes bis Ende 2021 vermutlich ohne smart erreichen.

Nach wie vor gibt es bei Daimler mehr als genug Leute, welche für den smart brennen und alles geben um diesen zu erhalten. Bis hoch in die Führungsetagen.

Was kommt von Daimler, was von Geely?

Laut aktuellen Veröffentlichungen wird es wie folgt sein:

Geely ist für die gesamte Technik zuständig, das bedeutet, von Geely wird der gesamte Antriebsstrang (Akku, Motor, Ladetechnik, ..) kommen. Außerdem das komplette Infotainmentsystem und die Fahrzeugplatform, auf der alles basiert. (SEA)

Dem gegenüber steht Daimler. Deren Zuständigkeitsbereich ist alles, was der Kunde direkt sieht und anfasst. Auf diese Weise wird sicher gestellt, dass smart nicht an Qualität einbüßen und das Design weiterhin der Marke treu bleiben wird.


Die Idee hinter all dem ist, dass der smart das Besten aus beiden Welten bekommt: Haptik / Qualität und Technik


Warum ein Joint Venture mit Geely?

Was Fiat mit dem 500er und Mini mit deren kompletten Modellpalette geschafft hatten, hat smart leider nicht geschafft: Die Kunden mit einem markanten und pfiffigen Design langanhaltend zu packen, sodass sie auch bereit sind "etwas mehr" auszugeben. Vermutlich fehlt smart dazu schlichtweg die Historie.

Den smart verkauft man (leider) nahezu ausschließlich über den Preis, dieser muss also möglichst gering sein. Das ist nur möglich, indem man möglichst hohe Stückzahlen davon produziert, sodass die Entwicklungskosten auf viele Fahrzeuge umgelegt werden können. Nur weil es ein Fahrzeug von smart ist, ist der Kunde nicht bereits "etwas mehr" zu zahlen. Zumindest nicht genug Kunden.

Aus diesem Grund begann smart 2005/06 damit, sich intern neu zu strukturieren, Kosten zu sparen und sich auf das Kerngeschäft zu fokussieren: Den smart fortwo. 2008 erschloss man außerdem Amerika um weitere potentielle Kunden mit ins Boot zu holen. Da in Amerika aber alles etwas größer ist, nicht nur die Autos, sondern auch die Strecken, hatte der smart dort von Anfang an keinen großen Erfolg. Die besten Jahre waren 2008 und 2009, wobei auch 2009 bereits rückläufige Zahlen hatte.


Die Kooperation mit Geely soll zwei Vorteile haben:

Die Erschließung eines wachsenden Marktes: In China bekommt man sehr hohen Einfuhrzölle aufgebrummt, wenn man nicht mit einem chinesischen Hersteller zusammen arbeitet und dort produziert.

Geringere Entwicklungs- und Produktionskosten: Um den Fahrzeugpreis weiter zu drücken, ist es leider unabdingbar die Produkstions- und Entwicklungskosten zu senken. Daimler hat keine moderne Fahrzeugplattform für das A- und B-Segment, Geely, mit der SEA-Platform, sehr wohl.


Das sind Maßnahmen, um die Marke am Leben zu halten. Wenn Lotus und Volvo eines aufzeigen, dann, dass Geely den Ursprung der Marken nicht kaputt machen, sondern ihn erhalten möchte. Schon auch wegen des Kundenstamms der jeweiligen Marken.

SUV im B-Segment. Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

SUV steht für "Sports Utility Vehicles", also ein sportliches Nutzfahrzeug. Früher waren das noch klassische Geländefahrzeuge wie die G-Klasse und Range Rover. Mittlerweile sind das große Fahrzeuge, in denen man hoch sitzt, aber meist, u.a. mangels Allradantrieb, besser nicht ins Gelände fährt. Daher kommt es auch, dass der Begriff SUV heute mit großen Autos verbunden wird. Der Begriff ist heute nur noch eine Bezeichnung, mit der man nahezu jedes Auto sehr gut verkaufen kann.

Wiederum das sogenannte B-Segment beschreibt das Fahrzeugsegment, in dem der smart EQ forfour, aber auch Fahrzeuge wie der VW eUP!, der Honda E und der Twingo electric beheimatet sind. Allgemein bekannt ist das Fahrzeugsegment auch als "Kleinwagen". Nicht zu verwechseln mit dem A-Segment, dem "Kleinstwagen", zu dem der smart EQ fortwo gehört.


Ein smart SUV im B-Segment wird den Begriff "SUV" nur tragen, weil er sich so eben besser verkauft. Er wird dennoch verhältnismäßig klein sein. Beispielsweise bei der Edition Nightsky des smart EQ forfour haben wir das schon einmal gesehen. Die Anbauteile wurden als "SUV"-Optik bezeichnet.

Ähnliches macht auch Suzuki mit deren seit 2016 gebauten Ignis. Sie bezeichnen ihn als "Micro-SUV" und erschließen sich so neue Kunden: Leute, welche zwar "SUV" fahren wollen, aber nicht "SUV" einparken wollen / können.


Der 2016er Suzuki Ignis ist auch nur 3,7 Meter lang, zwar trotzdem 0,2 Meter länger als der smart forfour, zeigt aber, wie SUV im B-Segment gemeint sein könnte.


Könnte der Renault City K-ZE eine Vorhut sein..? Ab 2021 auch in Europa verfügbar, der chinesische SUV-Kleinwagen von Renault. Allerdings mit sehr ernüchternden Eckdaten:

  • 27,4 kWh (< 200 km)
  • 30 kW CCS
  • 45 PS
  • keine App
  • 5 Türen
  • 4 Sitzplätze
  • 3,7 Meter lang
  • kein zusätzlicher Kofferraum vorne
  • ca. 15.000 € Basispreis


In Europa wird er als Dacia Spring vermarktet und gebaut wird er in China.



Warum muss denn das unbedingt alles elektrisch sein, nichtmal Hybrid oder Wasserstoff?


Auch das ist eine Frage der Kosten, obwohl das erstmal komisch klingt, wenn man die Preise des Benziner- und Stromer-fortwo vergleicht: Der 2020er smartEQfortwo kostet etwa das Doppelte wie seine Verbrenner-Variante.


Das wird aber nicht so bleiben, da sich zwei Dinge entgegen kommen:

Der steigende Preis eines Verbrenners.

Der sinkende Preis eines Elektrofahrzeugs.

Um die aktuellen und zukünftigen Abgasnormen einhalten zu können, müssen Verbrennungsmotoren immer besser werden. Das erfordert große Entwicklungskosten, welche dann natürlich auch wieder auf die Stückzahl der Fahrzeuge umgelegt werden müssen. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass Verbrennungsmotoren für Kleinstwagen mindestens so aufwändig sind, wie Verbrennerungsmotoren für große, teure Autos. In der S-Klasse darf ein Motor aber deutlich mehr kosten, als in einem smart, der Motor aus der S-Klasse kann aber nicht übernommen und runter skaliert werden.

Dem gegenüber steht die deutlich simplere Technik aus Elektroautos. Motor und Untersetzungsgetriebe sind um ein vielfaches einfacher aufgebaut und der Akku kann wunderbar skaliert werden. Ein schönes Beispiel hierfür sind die 1. Generation EQC und EQV. Gleicher Antriebsstrang, gleicher Akku, einziger Unterschied: Der Akku im EQV hat zwei Akkumodule mehr als der EQC. (Elektroautogrundlagen: Akkupaket & BMS)


Übrigens, der smart ED4 ist bereits deutlich günstiger als der smart ED3. Auch wenn die Basispreise das nicht direkt vermuten lassen. Was gerne übersehen wird ist, dass beim smart ED4 der Akku bereits im Fahrzeugpreis inklusive ist. Es fällt keine Akkumiete mehr an.


Würde man den smart als Hybrid anbieten, würde das die Fahrzeugkosten drastisch steigern, da man dann zwei Antriebssträge hätte. Sowohl in der Entwicklung, als auch in der Herstellung. Während der elektrische smart Abmaße, Stauraum und Gewicht, wie ein Benziner hat, hätte ein Hybrid ein deutlich höherer Gewicht und die Entwicklung müsste sich entscheiden, wo sie die Prioritäten legt: Denn 120 km elektrische Reichweite und ein halbwegs vernünftiger Verbrennungsmotor ist auf dem Bauraum nicht umsetzbar.

Das gilt übrigens auch für den Wasserstoff, dieser ist schließlich auch nur ein Hybrid. Der teuerste Hybrid überhaupt, sowohl im Unterhalt als auch in der Herstellung. Und dessen Reichweite wäre dennoch bei unter 200 km, wegen des stark limitieren Bauraums.



Wie wird der nächste smart aussehen, was wird er können?


Wie sagt man so schön: Nichts Genaues weiß man nicht. (Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen)


Fest steht aktuell ausschließlich, dass es ein Fahrzeug im B-Segment sein wird, es soll reinelektrisch werden und wird auch von smart-Mitarbeitern als "SUV" bezeichnet. Basieren soll es auf der Geely's SEA-Platform. Diese ist skalierbar und soll vom fortwo, über den forfour bis hin zu großen Limousinen alles können. Naheliegend ist, dass hierzu einfach Segmente aus dem Mittelstück herausgenommen oder hinzugefügt werden. Entsprechend geht auch die Akkukapazität hoch und runter. Wie bei der 1. Generation EQC und EQV.


Was die Plattform in ihren Abmessungen für das A- und B-Segment kann, ist noch nicht bekannt. Vorgestellt wurde sie mit der Zero Concept Studie. Einer Limousine, welche 700 km schaffen und 0-100 km in unter 2 Sekunden erreichen soll. Außerdem soll sie alles können, was das Ankündigungs-Bingo zu bieten hat.


Es bleibt uns also erstmal nichts anders übrig als Mutmaßungen und Wünsche aufzustellen:

  • 30 kWh oder mehr (> 200 km)
  • 50 kW CCS (!) oder mehr
  • 3,7 kW bis 11 kW Typ 2
  • Standard: 90 PS (Heckantrieb)
  • Brabus: 125 PS (Allrad?)
  • Konnektivität, sowohl im Fahrzeug, als auch zum Fahrzeug.
  • 5 Türen
  • 4 Sitzplätze
  • maximal 3,5 Meter lang
  • zusätzlicher Kofferraum vorne
  • < 15.000 € Basispreis


Aktuell angekündigt ist der nächste smart auf 2022. Mindestens bis dahin werden der fortwo und der forfour gebaut werden, diese werden aber höchstwahrscheinlich keine nennenswerten Updates mehr erfahren.


Strategie und Zukunft von smart - Wie wird der neue smart aussehen?


Strategie und Zukunft von smart - Wie wird der neue smart aussehen?



Was ist mit dem fortwo?


Der fortwo ist nicht tot, im Gegenteil. Er soll Bestandteil der Marke smart bleiben, wenngleich eine Weiterentwicklung aktuell nicht im Gespräch ist. Zumindest möchte die Auto-Motor-und-Sport dies aus internen Kreisen erfahren haben.


Tatsächlich wäre es auch eine Fehlentscheidung, diesen Markt komplett zu verlassen. Der smart EQ fortwo ist nach wie vor das einzige richtige Auto in dieser Fahrzeugklasse. Auch hier können wir aktuell nur Mutmaßungen und Wünsche aufstellen:

  • 25 kWh oder mehr (200 km)
  • 50 kW CCS oder mehr
  • 3,7 kW bis 11 kW Typ 2
  • Standard: > 90 PS (Heckantrieb)
  • Brabus: > 125 PS (Allrad?)
  • Konnektivität, sowohl im Fahrzeug, als auch zum Fahrzeug.
  • 3 Türen
  • 2 Sitzplätze
  • maximal 2,5 Meter lang
  • Cabrio und Coupe
  • zusätzlicher Kofferraum vorne
  • < 12.000 € Basispreis (Coupe)


Was mit der Tridionzelle passieren wird, steht noch in den Sternen. Da wage ich auch nicht Behauptungen aufzustellen. Geely verspricht aber, dass die SEA-Platform alle Sicherheitsnormen mit den vollen 5 Sternen erfüllen wird. Das würde der Tridionzelle gleich kommen.


Strategie und Zukunft von smart - Wie wird der neue smart aussehen?



Fazit


Ich fahre den smart ED nun seit über 200.000 km und den smart EQ seit über 100.000 km, die Zukunft von smart liegt definitiv in der Elektromobilität. Davon bin ich überzeugt.


Ob das Joint Venture zwischen Daimler und Geely der richtige Weg ist, weiß jetzt keiner, es ist momentan aber die beste Option. Tesla hatte zu Beginn auch eine sehr schwere Zeit und es gab fast wöchentlich Artikel, sie seien nun endlich Bankrott. Ende 2020 erreichten sie dennoch den Punkt, dass sie, zB im Mannheimer Service Center, alle 15 Minuten ein Auto ausliefern.


Der lang ersehnte Umbruch hat 2020 begonnen und er wird nun stattfinden. Echte Fans der Marke bleiben ihr gerade jetzt treu, es kommen wieder bessere Zeiten. Sowohl für die Marke, als auch für deren Fans. Das kann man auch an der stetig wachsenden smart eMotion Community sehen.


Nachtrag Februar 2022:

Was früher die Daimler AG war, ist heute die Mercedes Benz Group AG